Tagebuch
 
17. Juli 2005

Tom, Robin und Uli kommen in Juliaca an. Wir beziehen unser Quartier für die nächsten Tage - das Hotel Luquini - und genießen das bunte Treiben in den Straßen und auf den Märkten von Juliaca.

18. Juli 2005

Den heutigen Tag verbringen wir als brave Touristen ohne große Anstrengungen um uns zu akklimatisieren. Wir fahren nach Puno und besuchen die schwimmenden Inseln auf dem Titicacasee: los uros. Auf der Rückfahrt machen Robin und Uli noch einen Abstecher nach Silustani, einer ehemaligen Grabstätte der Inkas. Tom ist schon mittags nach Juliaca zurückgefahren, da er sich stark erkältet hat. Abends stößt Alain zu uns. Er ist Peruaner und stammt aus Arequipa. Er wird uns über die Expedition als Koch und Kontaktperson zu den Einheimischen unterstützen.

19. Juli 2005

Das Abenteuer des Einkaufens geht in seine erste Runde. Wir haben 120 kg Verpflegung und einen Gasherd auf dem Einkaufszettel stehen . Und als wäre das noch nicht spannend genug, beginnt heute in Juliaca ein zweitägiger Generalstreik. Nach einigen Diskussionen bleibt uns nichts anderes übriga als mit Seesäcken bewaffnet wieder nach Puno zu fahren. Tom bleibt in Juliaca um sich auszukurieren. Es bereitet uns große Freude von Markt zu Markt zu ziehen. Wir kaufen alle nicht verderblichen Lebensmittel und eine komplette Küchenausrüstung. Am Ende des Tages erweitern wir diese noch um einen Zeiflammen-Gasherd inklusive Gas Boliviano.

20. Juli 2005

Heute morgen ist Thomas gut gelaunt in Juliaca angekommen. Einer seiner Seesäcke, wie zu erwarten, nicht. Aus diesem Grund fahren wir wieder einmal die 45min nach Puno. Wir wollen mit unserem Fahrer Julio vereinbaren, dass wir erst übermorgen - einen Tag später als geplant - nach Koriwara aufbrechen. Es entwickelt sich eine schier endlose Diskussion, die sich nach unserem Empfinden im Kreis dreht. Am Ende enstehen zwei Schriftstücke. Das Erste regelt die Zeitpunkte wann Julio uns nach Koriwara bringt und abholt. Das Andere beinhaltet wann wir Julio wie viel Geld bezahhlent. Zur Krönung setzen wir unter die "Verträgen" unsere Fingerabrücke. Ohne Alain würden wir wohl heute noch diskutieren?

21. Juli 2005
Heute haben wir den Rest der Verpfelgung in Juliaca eingekauft. Auch der Seesack von Thomas ist mit 5 Stunden Verspätung eingetroffen. Wir verstauen alles in einer schier endlosen Anzahl an Säcken und freuen uns darauf, dass es morgen losgeht.
22. Juli 2005
Schnell ist der Kleinbus mit den knapp 400kg Ausrüstung beladen und es geht 6,5 Stunden lang über die Schotterpisten der peruanischen Hochebene. In Koriwara werden wir wärmsten von den Einwohnern empfangen. Nach dem Abendessen schlüpfen wir in unsere Zelte hinter der kleinen Schule.
23. Juli 2005

Da sich Robin seit gestern abend schwach fühlt, vertagen wir unseren Abmarsch ins Basislager auf den nächsten Tag. Bei einer kurzen Akklimatisationstour erblicken Thomas, Tom und Uli das erste Mal eines der Ziele der Reise: den Chaupi Orco Sur. Auf dem Rückweg nach Koriwara machen wir eine interessante Begegnung mit einem einheimischen Campesino. Er hält uns für Lama-Diebe und geht mit seiner Steinschleuder auf uns los. Dank unserer Spanischkenntnisse können wir ihn davon überzeugen, dass wir ausschließlich zum Bergsteigen gekommen sind. Daraufhin fragt er uns wiederholt, ob es Gold oder Silber auf dem Gipfel des Chaupi Orco gäbe. Das wir "lediglich" wegen des Gipfelerfolges die Mühen einer Besteigung auf uns nehmen, ist für die meisten Menschen hier nicht nachvollziehbar.

24. Juli 2005
Der Morgen beginnt für uns mit einem großen Specktakel. Die Lamas und Mulis werden mit unserem Gepäck beladen. Paulino und seine Freunde binden die vielen Säcke geschickt auf die Tragtiere. Die Lamas zeigen ihre Freude darüber mit dem typischen Spucken. Thomas und Robin bleiben noch eine weitere Nacht in Koriwara um weitere Kraft zu tanken. Nach knapp 4 Stunden Marsch vorbei an einem atemberaubenden Wasserfall kommen Alain, Thomas und Uli auf 4.600 Höhenmeter am Fuße von Suchis I und Yanaloma an. Schnell ist ein schöner Lagerplatz gefunden und die Zelte aufgebaut.
25. Juli 2005
Um 7:30 Uhr weckt uns die Sonne mit ihrer Wärme. Am späten Vormittag treffen Thomas und Robin im Basislager ein. Beim Abendessen diskutieren wir den Plan für die nächsten Tage. Wir einigen uns zuerst den Yanaloma (5.219 Hm) zu besteigen.
26. Juli 2005

Mit möglichst wenig Gepäck starten wir durch grasdurchsetztes Schrofengelände unter die mächtige Nordostwand des Yanaloma. Wir folgen im Zick-Zack einem markanten System aus Rinnen, Verschneidungen und Bändern. Im meist festen Fels kommen wir zu unserer Überraschung schnell voran. Nach nur knapp 4 Stunden stehen wir auf dem Gipfel des 5.219 Meter hohen Yanaloma. Wir freuen uns über die Erstbesteigung und genießen den Ausblick. Die Schwierigkeiten unserer Route schätzen wir auf III+. Einziger Dämpfer des Tages war der Blick in die Nordwand des Chaupi Orco. Der Blick durchs Ferngals bestätigt unsere ersten Eindrücke. In der Wand liegt kaum noch Schnee und mehrere braune Steinschlagrinnen ziehen von oben nach unten. Wir sind uns einig, dass eine Durchsteigung der Wand unter diesen Bedingungen zu gefährlich ist.

27. Juli 2005
Als nächstes planen wir die Besteigung des Sorapata III (5.440 Hm). Robin und Thomas wollen den Südpfeiler auf den Sorapata III versuchen. Dieser ist 400m hoch und besteht aus großteils senkrechten Fels und Eis. Tom und Uli haben sich als Ziel die Überschreitung von Sorapata II (5.511 Hm) und Sorapata III vorgenommen. Heute wollen wir jeweils die Einstiege erkunden. Leider geht es Tom wieder schlechter, so dass Uli Thomas und Robin bei Ihren Versuchen am Südpfeiler begleitet. Thomas gelingen trotz einsetzendem Schneetreiben die ersten 20 Meter im Einstiegskamin des Pfeilers.
28. Juli 2005

In der Nacht signalisiert Halsweh Uli den Anflug einer starken Erkältung. Deswegen legen Uli und Tom einen Ruhetag im Basislager ein. Robin und Thomas setzen ihren Versuch am Südpfeiler des Yanaloma III fort. Der Pfeiler liegt den ganzen Tag im Schatten. Die Kälte auf 5.000m Höhe und der Schnee des Vortages machen das Klettern im unteren VI-ten Schweirigkeistgrad fast unmöglich. Die beiden arbeitet sich weitere 20 m weiter. Sie befürchten, daß die Kletterei weiter oben nihct leichter wird. Deswegen beschließen wir morgen alle einen weiteren Ruhetag einzulegen und am darauffolgenden Tag gemeinsam die Überschreitung anzugreifen. Robin und Thomas wollen den Südpfeiler erst von oben begutachten bevor sie weiterklettern.

29. Juli 2005

Heute werden wir von einer kleinen Gruppe Bergsteigern überrascht. Es sind drei Amerikaner und ein peruanischer Bergführer aus Arequipa. Sie sind genauso überrascht wie wir in diesem unbekannten Tal eine weitere Gruppe Bergsteiger zu treffen. Sie wollen in nur 4 Tagen über den Normalweg auf den Chaupi Orco Sur steigen. Am Abend legen wir unsere Strategie für die Überschreitung fest. Wir rechnen mit zwei Tagen und werden Biwakausrüstung mitnehmen, da wir keine Ahnung haben, was uns auf der Tour erwarten wird. Leider fühlt sich Tom noch nicht im Stande mitzukommen.

30. Juli 2005

Wir stehen um 3:00 Uhr auf und frühstücken. Um 4:00 Uhr setzen wir uns in Bewegung. Der erste Abschnitt ist die Querung unterhalb von Sorapata III und Sorapata II. Bei jedem zweiten Schritt löst sich unter lautem Krachen die Spannung im Gletschereis. Um 7:00 Uhr stehen wir planmäßig unter der Eiswand, die auf den Sattel zwischen Sorapata II und Chaupi Orco Norte führt. Wir klettern die geschätzten 250m bis auf den kurzen Abbruch am Übergang von der Wand zum oberen Gletscher seilfrei. Sicherungspunkt lasen sich im brüchigen Eis nicht befestigen. Vom Sattel aus umgehen wir den Vorgipfel im Norden und stehen um 9:00 Uhr auf dem Gipfel des Sorapata II.

Hier beginnt der heikelste Teil der Überschreitung. Im meist lockeren Fels steigen wir den Grat Richtung Sorapata III ab. Abrupt bricht der Fels unter uns ab und wir verfluchen uns, dass wir aus Gewichtsgründen nur ein Halbseil mitgenommen haben. Wir haben Glück und finden zwei Felsköpfe, an denen wir bis in den Sattel zwischen den zwei Gipfeln abseilen können. Von hier aus geht es in leichter Kletterei in meist brüchigem Fels weiter. Um 12:00 Uhr stehen wir überglücklich auf dem Gipfel des Sorapata III. Wir freuen uns über den Rundblick und die erfolgreiche Erstbesteigung.

Nach einer ausgedehnten Pause, dem Bau eines Steinmannes und dem obligatorischen Gipfelfoto machen wir uns an den Abstieg über den langen Westgrat. Kurz unter dem Gipfel erreichen wir den Schneegrat, der das obere Ende des Hängegletschers westlich des Südpfeilers markiert. Wir genießen die Meter im Eis, bevor wir wieder Steigeisen gegen Gummi tauschen. Nun beginnt der lange Abstieg über den felsigen Westgrat. Dieser überrascht uns mit einem tiefen Einschnitt. Wir sichern diese Stelle, die Robin mit IV bewertet. Danach steigen wir erschöpft den restlichen Grat ab. Um 16:00 Uhr werden wir überschwänglich von Alain und Tom im Basislager empfangen. Genau 12 Stunden haben wir für die Überschreitung von Sorapata II und III benötigt - trotz des schweren Gepäcks. Thomas tauft die Route "Immer der Nase nach": eine Traumtour mit jeder Menge Abwechslung.

31. Juli 2005
Zur Feier der geglückten Überschreitung kochen wir zum Mittagessen Kaiserschmarrn. Robin erfindet eine neuartige Vorrichtung zum Eischneeschlagen in extremen Situationen. Man nehme eine 2 Liter Plastikflasche und fülle diese mit dem Eiweiß. Durch kräftiges Schütteln erhält man besten Eischnee. Nur noch in der Mitte zerschneiden und den Eischnee rauslöffeln. Somit gelingt uns der Kaiserschmarrn auf 4.600 Metern Höhe. Dazu gibt es selbstgemachtes Apfelmus. Am Nachmittag geht es Tom trotz des Antibiotikums, das er seit drei Tagen nimmt, leider wieder schlechter. Er hatte akute Atemprobleme, und wir befürchten, dass sich zu seiner Erkältung eine Höhenkrankheit gesellen könnte. Deswegen beschließen wir, dass er absteigen sollte. Zum Glück erklären sich die Amerikaner ohne Umschweife bereit Tom übermorgen beim Abstieg zu helfen und mit nach Juliaca zu nehmen.
1. August 2005

Ein ausgiebiges Studium der Westwand des Chaupi Orco Sur mit dem Fernglas führt zu folgendem Ergebnis. Aufgrund des wenigen Schnees im vergangenem Sommer sind mehrere Abbrüche hervorgetreten, die von Eiszapfenvorhängen abgeschlossen werden. Wir erklären die Wand daher wegen der Möglichkeit von Eisschlag ebenfalls zu gefährlich. Robin, Thomas und Uli wollen deswegen morgen am Viscanchani-See ein Hochlager einrichten. Von dort erhoffen wir entweder den Chaupi Orco Sur über seinen langen Südwestgrat oder einen der Salluyos besteigen zu können.

 

2. August 2005

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt! Tom geht es heute morgen viel besser und er beschließt zu bleiben. Das Antibiotikum scheint endlich zu wirken. Wir freuen uns über diese positive Wendung und packen unsere Rucksäcke für die kommenden vier Tage. Tom begleitet Robin, Thomas und Uli bis zum Beginn des Sees. Nach gut drei Stunden schlagen wir unser Zelt auf am gegenüberliegenden Ufer auf ungefähr 4.900 Höhenmetern auf. Unser Zelt entpuppt sich eher als Zweimann- statt Dreimannzelt. Kalt kann uns in der Nacht nicht werden.

Als wir uns eine Suppe zum Mittagessen kochen wollen, entpuppt sich das Problem unseres Zeltplatzes. Alles Wasser aus den Bächen und im See ist getränkt mit feinstem Sediment. Dieses wird aus den Moränen der Gletscher gewaschen. Den halben Nachmittag verbringen wir damit die wildesten Filter zu bauen, um trinkbares Wasser zu erhalten. Wir versuchen es mit Stroh, Moos, Uli's Fleece-Mütze, dem Reparaturstoff des Zeltes und einer durchlöcherten Thunfischdose mit Pappe. Nichts! Entweder geht der Staub mit durch oder gar kein Wasser. Am Ende suchen wir noch einmal genau die Umgebung des Zeltplatzes ab. Letztendlich finden wir einen sehr kleinen Bach, der nur wenig Sediment trägt. Mit einem Firnanker können wir sein Wasser so umleiten, dass wir einen kleinen Brunnen erhalten.

3. August 2005

Wir stehen um 2: 40 Uhr auf und bereiten bei minus 15 Grad unser Frühstück zu. Um 4:00 Uhr gehen wir los. Wir wollen über eine Rampe vom Gletscher am Fuß der Salluyos in das Gletscherbecken zwischen Salluyo III und Salluyo II klettern. Wir hoffen von diesem den Südwestgrat auf den Chaupi Orco Sur erreichen zu können. Zum Morgendämmern stehen wir unter der Rampe. Dort erwartet uns einmal mehr eine Überraschung, wie sie Bergsteigen ohne Karte und Routenbeschreibung ständig mit sich bringt. Die Rampe entpuppt sich als deutlich schwerer als erwartet. Zum Einen steilt sie gegen Ende bis 60 Grad auf. Zum anderen zieht von oben nach unten eine große Spalte vertikal durch die Rampe. Zusätzlich liegt die Rampe ab mittags in der prallen Sonne. Wir urteilen, daß ein Abstieg über die Rampe am Abend sehr gefährlich wäre. Daraufhin versuchen wir im Fels rechts neben der Rampe den oberen Gletscher zu erreichen. Letztendlich drehen wir frustriert um.

4. August 2005

Heute wollen wir die Salluyos im Westen umgehen und von Bolivien aus besteigen. Wir erhoffen uns auf der Südseite bessere Schneebedingungen. Wir gehen um 5:00 Uhr los. Robin trifft im Dunkeln beim Erklimmen einer Moräne ein Stein am Knie. Er muss daher umdrehen. Mit dem ersten Morgenlicht kämpfen sich Thomas und Uli durch meterhohes Büßereis am Beginn des großen Geltschers, der westlich des Salluyo I Peru mit Bolivien verbindet. Vorbei an beeindruckenden Gletscherabbrüchen steigen wir über eine weite Gletscherfläche bis auf ca. 5.450 Höhenmeter auf. Dort erklimmen wir eine 80 Meter hohe Wand aus bestem Eis. Danach finden wir uns in einem Labyrinth großer Spalten wieder. Langsam und unter Anwendung aller uns bekannten Techniken suchen wir uns einen Weg durch das Gewirr. Zweimal müssen wir Anlauf nehmen und die zwei Meter breite Spalte überspringen.

Unsere Mühe wird belohnt und vor uns öffnet sich ein Firnfeld, das zum vermeintlichen Gipfelgrat führt. Diesen erreichen wir auf ca. 5.700 Meter Höhe. Wieder erwartet uns eine Überraschung. Auf der anderen Gratseite blicken wir nicht auf unser Hochlager am See. Stattdessen öffnet sich vor uns ein Gletscherbecken, auf dessen gegenüberliegender Seite steil der Salluyo I aufsteigt. Der Grat, den wir überschritten haben, ist sehr stark verwechtet und wird an einem Linksknick durch eine zu allen Seiten überhängende "Eisscholle" begrenzt. Wegen dieser Schwierigkeiten queren wir so weit wie möglich in der Wand und steigen in 55 Grad steilem Büßereis zum Grat knapp vor der "Eisscholle" auf. Unser Höhenmesser zeigt 5.760 Höhenmeter an. Wir befinden uns danach nur noch 50 Meter unter dem Gipfel. Jedoch können wir nicht erkennen, an welcher Stelle sich dieser befindet. Zudem ist die Zeit weit fortgeschritten. Daher entscheiden wir uns umzukehren. Noch einmal müssen wir das Spaltenlabyrinth überwinden. Um 16:00 Uhr erreichen wir erschöpft unser Zelt. Auch wenn wir den Gipfel nicht knapp verfehlt haben, so war es eine weitere Traumtour mit waghalsigen Spaltensprüngen. Robin und Tom haben heute den 5.361 Meter hohen Suchi I bestiegen.

5. August 2005
Wir steigen zum Basislager ab. Dort erwartet uns Tom mit einem peruanischen Minenarbeiter. Dieser ist mit einem Kollegen auf dem Weg ins Tal um Essen einzukaufen. Er lädt uns zur Besichtigung der Goldmine ein. Sie befindet sich am Ende des Tales zwischen Yanaloma und der Suchigruppe.
6. August 2005

Den Vormittag beginnen wir damit unsere Ausrüstung zu sortieren. Heute ist unser letzter Tag. Morgen steigen wir wieder nach Koriwara ab. Danach brechen wir zur Besichtigung der Mine auf. Als wir dort ankommen ist das Minendorf fast ausgestorben. Da Samstag ist, sind fast alle Arbeiter in ihr Heimatdorf abgestiegen. Trotzdem finden wir einige freundliche Personen, die uns ihre Arbeitsweise erklären. Das Gestein wird mit Hammer und Meisel aus dem Fels gebrochen. Danach wird das Gestein in Kieselstein große Brocken zerkleinert. Diese werden mit Wasser und Quecksilber in einem Becken angerührt. In diesem Becken wird das Gestein mit einem großen Schleifstein zermahlen. Das Quecksilber bindet den Goldstaub und sinkt aufgrund seiner hohen Dichte ab. Der restliche Staub fließt mit dem Wasser ab. Die so gewonnene Quecksilber-Gold-Mischung wird in einem Tuch ausgewrungen. Der Rest wird anschließend in einer Pfanne erhitzt. Das Quecksilber verdampft und der feine Goldstaub bleibt zurück. Eine sehr mühsame Prozedur, die ausschließlich mit Muskelkraft erfolgt.

Pünktlich zum Ende unseres Aufenthaltes verschlechtert sich das Wetter. Seit dem Mittag hängen dicke Wolken über dem Tal. Mit Einbruch der Dunkelheit beginnt es stark zu schneien.

7. August 2005

Am Morgen hängen dicke Wolken im Tal. Von den Bergen ist nichts zu sehen und eine Zentimeter dicke Schneeschicht überzieht die Landschaft. Als wir noch rätseln, ob die Tragtiere bei diesem Wetter die Steilstufe zum Basislager überwinden können, taucht Paulino mit den Lamas aus den Wolken auf. Schnell ist alles Gepäck verstaut und die Tragtiere beladen. Nach drei Stunden Marsch sind wir wieder in Koriwara. Während wir auf unseren Transport warten, erscheint der Pfarrer. Dieser betreut nach eigener Aussage knapp 70 Dörfer in der Region. Wir haben das Glück, daß heute einer der zwei Sonntage im Jahr ist, an denen er nach Koriwara kommt. Wir kommen in den Genuss, an einen für uns ungewöhnlichen Gottesdienst teilzunehmen. In dem spärlich eingerichteten Schulraum laufen die vielen Kleinkinder wild durcheinander, während der Pfarrer predigt. Am Ende machen wir noch ein Photo mit der ganzen Dorfgemeinschaft und verabschieden uns. Nach weiteren 6 Stunden Schotterpiste erreichen wir wieder Juliaca. Nach einer fast lauwarmen Dusche fallen wir zufrieden ins Bett.

8. August 2005

Wir fahren weiter nach Arequipa, dem offiziellen Endpunkt der Expedition. Hinter uns liegen dreieinhlab spannende und lehrreiche Wochen. Die wichtigste Erkenntnis ist, dass Bergsteigen ohne Routenbeschreibung in unbekanntem Gelände nur schwer mit den Alpen vergleichbar ist. Man wird immer wieder aufs Neue von den Gebebenheiten vor Ort überrascht. Als Belohnung für die monatelangen Vorbereitungen sind uns die Erstbesteigungen des Yanaloma (5.219 Hm) und des Sorapata III (5.440 Hm) gelungen. Leider verhinderte in diesem Jahr der wenige Schnee und die damit verbundene Gefahr von Stein- und Eisschlag die Besteigung einer der Wände des Chaupi Orco Sur. Doch nicht nur für uns waren die Wochen erlebnisreich. Auch die Einwohner aus der Umgebung von Koriwara, dem Ausgangsdorf der Expedition müssen sich erst an Besuch gewöhnen. Mit viel Gastfreundlichkeit aber zugleich ein wenig Skepsis begegneten sie uns.